Veredelungsunterlagen – Die Basis für Deinen Obstbaum

Veredelungsunterlage ist ein Begriff, den man gerade im Zusammenhang mit Obstgehölzen wie Apfelbaum, Birnbaum oder Kirschbaum öfter hört. Die Veredelungsunterlage ist der Teil des Obstbaumes von der Wurzel bis zur Veredelungsstelle. Sie ist also ein kleiner Baum, der entweder aus den Kernen einer bestimmten Obstsorte gezogen wird oder durch vegetative Vermehrung entsteht. Auf diesen Baum wird dann nach ca. zwei Jahren das Vermehrungsmaterial in Form einer einzelnen Knospe (Edelknospe) oder eines Astes mit mehreren Knospen (Edelreis) gepropft. Jetzt braucht es ein wenig Geduld, bis das Vermehrungsmaterial mit der Unterlage verwachsen ist. Die so entstandene Pflanze vereint jetzt die Eigenschaften beider Ausgangspflanzen miteinander.

1. Die Wahl der richtigen Veredelungsunterlage
2. Produktionsmethoden
3. Welche Unterlage eignet sich wofür?
4. Welche Unterlagen verwendet Annas Garten?
5. Buschbaum, Halbstamm & Hochstamm
  5.1 Buschbaum
  5.2 Halbstamm
  5.3 Hochstamm

1. Die Wahl der richtigen Veredelungsunterlage

Wenn Du Dir einen Obstbaum kaufen willst, ist es wichtig die Veredelungsunterlage zu kennen, denn diese hat entscheidenden Einfluss auf verschiedene Faktoren. So ist die Veredelungsunterlage verantwortlich für Höhe und Wuchsform, den Beginn der Fruchtbarkeit, Bodenansprüche, Fruchtgröße, Ertrag und Lebensalter des Baumes. Solche Unterlagen ermöglichen es somit, sich seinen Obstbaum ein ganzes Stück weit selber zu konfigurieren. In der Praxis bedeutet das, dass man für seine bevorzugte Apfelsorte nicht zwangsläufig einen großen Garten braucht, sondern diese durch die Wahl einer geeigneten Unterlage sogar auf dem Balkon anbauen kann.

Unterlagen-Obst

Solche Unterlagen kommen vorzugsweise bei verholzenden Pflanzen wie eben Obstbäumen zur Anwendung, werden aber auch im Gemüseanbau eingesetzt. 
Voraussetzung für eine erfolgreiche Veredelung ist die Kombination von Pflanzen aus derselben botanischen Familie und in der Regel derselben Gattung, wobei es bezüglich der Gattung auch Ausnahmen gibt. So klingt eine Kombination aus Bananenstaude und Tannenbaum zwar furchtbar spannend, wird aber leider nicht funktionieren. Birnbäume hingegen werden häufig auf eine Quittenunterlage gesetzt, um sie im Wuchs zu begrenzen. Der Baum bleibt klein, findet Platz im Hausgarten und die Birnen können komfortabel geerntet werden. 

Zu den abenteuerlichsten Arrangements in diesem Bereich gehört sicherlich die Fusion von Tomaten und Kartoffeln, die beide zur Familie der Nachtschattengewächse zählen und sich deshalb mehr oder weniger problemlos vereinen lassen. Über den Sinn dieser Verschmelzung darf sich natürlich jeder eine eigene Meinung bilden. 
Für den Obstanbau und für Gartenpflanzen bringt diese Technik aber jede Menge Vorteile mit sich. Rhododendren beispielsweise hassen Kalk, mit der richtigen Unterlage wachsen sie aber selbst auf kalkhaltigen Böden. Ein weiteres Beispiel sind Weinreben, die mit der entsprechenden Unterlage gegen Reblausbefall geschützt werden. Beerenobst steht in der Regel auf eigenen Beinen bzw. Wurzeln, hier kommt diese Methode lediglich bei Stämmchen zum Einsatz.

Unterlagen-Apfelbäume

2. Produktionsmethoden

Unterlagen werden durch unterschiedliche Methoden erzeugt. Sämlingsunterlagen werden -  wie der Name bereits erahnen lässt – aus Samen gewonnen. Sämlingsunterlagen sind stark wüchsig, für Bäume mit einer solchen Unterlage ist eine stattliche Größe sowie ein großes und stabiles Wurzelwerk zu erwarten.
Vegetativ vermehrte Unterlagen dagegen entstehen meistens durch Abrisse und werden deshalb auch häufig als Abrissunterlagen bezeichnet. Auch eine Vermehrung durch Absenker ist möglich, hierfür werden die Triebe der Pflanze auf den Boden umgeleitet und mit Erde bedeckt, sodass sich wieder neue Wurzeln bilden können. Diese Methoden kommen heutzutage aber nur noch selten zur Anwendung.

3. Welche Unterlage eignet sich wofür?

Die Wahl der Unterlage ist ausschlaggebend für die Wurzelbildung und damit auch für die  Standfestigkeit des Baumes. Schwach wüchsige Unterlagen bilden ein eher schwaches Wurzelwerk aus und sollten deshalb stets mit einem Pfahl gestützt werden, damit sie nicht beim ersten Windstoß in die Horizontale gehen. Zudem sind die Ansprüche an die Bodenbeschaffenheit deutlich höher. Dafür beginnen sie aber deutlich früher mit der Fruchtbildung, erste Erträge sind schon nach wenigen Jahren zu erwarten. Zudem ist die Fruchtausbeute in Hinsicht auf die Baumgröße enorm. Schwach wüchsige Unterlagen finden sich meistens bei Buschbäumen. 
Stark wüchsige Unterlagen hingegen bilden ein ausgeprägtes Wurzelwerk und verschaffen dem Baum Stabilität, ein Stützpfahl ist nicht erforderlich. Sie kommen auch mit suboptimalen Böden zurecht und zeigen sich unempfindlicher gegen Trockenheit. Dafür muss man auf die ersten Früchte deutlich länger warten. Sowohl Halbstämme als auch Hochstämme sind üblicherweise auf stark wüchsigen Unterlagen veredelt.

Unterlagen-Bäume-mit- Pfahl

4. Welche Unterlagen verwendet Annas Garten?

Die folgenden Unterlagen kommen bei unseren Obstbäumen zum Einsatz:

Apfelbäume M111 – mittelstark wüchsige Unterlage, frühe Fruchtbildung, gute Standfestigkeit
Birnbäume Kirchensaller – stark wüchsige Unterlage, späte Fruchtbildung, sehr gute Standfestigkeit, hohe Lebenserwartung
Kirschbäume Alkavo – stark wüchsige Unterlage, späte Fruchtbildung, pflegeleicht und anspruchslos, sehr gute Standfestigkeit
  Colt – stark wüchsige Unterlage, relativ frühe Fruchtbildung, sehr gute Standfestigkeit
Pflaumenbäume Brompton – stark wüchsige Unterlage, späte Fruchtbildung, sehr anspruchslos, sehr gute Standfestigkeit
  St. Julien Inra 2 – stark wüchsige Unterlage, gute Fruchtqualität, nicht ganz anspruchslos

5. Buschbaum, Halbstamm & Hochstamm

In diesem Zusammenhang sind auch die Bezeichnungen Buschbaum, Halbstamm und Hochstamm zu nennen. Sie erlauben eine grobe Unterscheidung in der Größe der Bäume. Die tatsächliche Größe ist neben der Unterlage von vielen anderen Faktoren abhängig wie Sorte, Bodenbeschaffenheit, Witterungsverhältnisse, Rückschnitte und Standort. Tatsächlich kann ein Buschbaum die gleiche Höhe erreichen wie ein Hochstamm. 
Der Begriff Stammhöhe bezeichnet dabei die Länge des Stammes bis zum Beginn der Verästelung. Ein Halbstamm kann somit durch gezielte Schnitte auch zu einem Hochstamm erzogen werden, ein Buschbaum zu einem Halbstamm.

Grafik-Hochstamm-Halbstamm-Buschbaum

5.1 Buschbaum

Der Buschbaum gehört nicht nur im heimischen Obstgarten zu den am weitesten verbreiteten Zuchtformen, sondern auch im gewerbsmäßigen Obstanbau. Er besitzt eine Stammhöhe von ca. 60 Zentimetern und wird in der Regel nicht höher als vier Meter, was eine komfortable Ernte ermöglicht ohne dass man dafür auf eine Leiter klettern muss. Buschbäume sind auf schwachwüchsigen Unterlagen veredelt, dennoch muss die Krone hier regelmäßig geschnitten werden um ein Gleichgewicht zwischen Krone und Stamm / Wurzel zu erhalten. Erträge sind hier schon nach ca. zwei Jahren realistisch, allerdings ist die Lebenserwartung eines Buschbaums mit etwa 20 Jahren relativ gering. Wenn Du mit dem Kauf eines Obstbaumes auf einen möglichst hohen Ertrag auf kleiner Fläche aus bist, ist der Buschbaum genau richtig für Dich.

5.2 Halbstamm

Halbstämme messen bis zur Krone zwischen 120 und 180 Zentimeter, finden häufig Verwendung im Hausgarten und bauen meistens auf Sämlingen auf. Mit einer zu erwartenden Höhe von ca. vier bis sechs Metern bieten sie neben schmackhaftem Obst einen Mehrwert für den Garten, da sie unterpflanzt werden können und nicht zuletzt prima Schattenspender an heißen Sommertagen sind. Die erste Ernte lässt im Schnitt fünf Jahre auf sich warten, dafür wird ein Halbstamm deutlich älter als ein Buschbaum.

5.3 Hochstamm

Der Hochstamm schließlich besitzt eine Stammlänge von mindestens 180 bis 220 Zentimeter und wird ebenfalls auf Sämlingen oder anderen starkwüchsigen Unterlagen veredelt. Eine Ernte ist bei einer zu erwartenden Höhe von bis zu acht Metern ohne Leiter nicht mehr möglich, weshalb Hochstämme vorrangig auf Streuobstwiesen oder als reines Gartengestaltungselement Verwendung finden.

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